


Im kleinen Örtchen Amberg beschließen zwei Brüder ihren eigenen Kaffee zu rösten. Sie kaufen sich einen kleinen Probat, probieren und rösten wochenlang, bis sie drei wunderbare Kaffees gemischt haben. Sie mieten ein wunderschönes Altstadthaus, eröffnen ein kleines Café und nennen sich die Bavarian Roasting Company – eigentlich wollen sie nur rösten und ihre Kaffees vermarkten. Doch die Amberger fallen in Strömen über das Café herein und Thomas und Stefan kommen kaum hinterher. Doch die Jungs kennen keine Kompromiesse: alles soll perfekt sein! Der Kaffee, der Service, das Café selbst. Und so arbeiten sie seit einem Jahr 7 Tage pro Woche…mit Leidenschaft und viel Herzblut. Als wir sie in Amberg besuchen, merken wir das: Jeder Gast fühlt sich zu hause, fürs Kaffee zubereiten nimmt man sich viel Zeit und das schmeckt man!
Beim Rösten haben sich die beiden übrigens auf die Kunst des Blendings spezialisiert. Im Gegensatz zu sortenreinen Kaffees, werden beim Blending verschiedene Provenienzen unterschiedlicher Herkunftsländer so gemischt, dass ein harmonischer Geschmack entsteht. “Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sortenreine Röstungen zwar für die traditionelle Filterkaffeezubereitung durchaus ihre Berechtigung besitzen, aber für Espressogetränke eher ungeeignet sind weil sie meist zu stark in eine Geschmacksrichtung tendieren. Das Blending ermöglicht es uns, unerwünschte Geschmacks- und Aromakomponenten einzelner Provenienzen zu netralisieren und erwünschte Eigenschaften zu erhalten, ja sogar gezielt hervorzuheben. Durch richtiges Belnding entsteht so ein hervorragend ausgewogener Kaffee der weit mehr ist als die Summe seiner Bestandteile,” meint Thomas.
Dass die Jungs etwas von ihrem Handwerk verstehen, davon kannst Du Dir in unserem aktuellen Special selbst ein Bild machen, Pirat! Doch zuerst wollen wir Dir die Jungs und ihre Einstellung zur kleinen braunen Bohne genauer vorstellen und haben sie deshalb zum obligatorischen Kaffeepiraten-Interview gebeten:
bpcc_Seit wann betreibt ihr eure eigene Rösterei?
baroco_Seit dem 01.05.2009.
bpcc_Und was habt ihr davor gemacht?
baroco_Wir haben studiert. Stefan Informatik und Tommy Geographie.
bpcc_Wie kamt ihr zu der Entscheidung, selbst Röster zu werden?
baroco_Durch Zufall. Wir haben uns beim Tennisspielen während der Seitenwechsel öfter über das Thema unterhalten, bis das Ganze irgendwann Gestalt annahm. Die Entscheidung fiel einige Monate später als wir ein passendes Objekt für die Umsetzung unserer Ideen gefunden hatten.
bpcc_Ihr seid Brüder. Ist das ein Vorteil, wenn man sich selbständig macht, oder fliegen häufiger die Fetzen weil man weniger Hemmungen als gegenüber „Fremden“ hat?
baroco_Es ist ein Vorteil, definitiv. Wir vermeiden die meisten Streits, weil wir uns immer sofort alles offen sagen ohne die Angst, dass der andere gleich beleidigt ist. Weniger Hemmungen zu haben ist in diesem Fall von Vorteil, weil sich der Ärger gar nicht erst aufstauen kann.
bpcc_Wie wählt ihr die Rohkaffees für eure Röstungen aus? Bio? Faitrade? Direct Trade?
baroco_Wir wählen unsere Kaffees nach deren Qualität und Eigenschaften (Säure, Körper etc.). Labels sind für uns zweitrangig, es ist der Geschmack der letztendlich für uns ausschlaggebend ist.


bpcc_Eure Rösterei und euer Café sind in Amberg, nicht gerade der Nabel der Welt. Wie reagiert das direkte Umfeld auf eure Kaffees, bzw. euren hohen Anspruch an die Kaffeezubereitung? Bayern sind ja eher als Biertrinker bekannt…
baroco_Vorsichtig ausgedrückt: positiv. Das mit dem Biertrinken wird sich ändern, da sind wir optimistisch. Was den Nabel der Welt angeht, sagen wir, wir arbeiten daran.
bpcc_Was ist eurer Meinung nach die größte Schwierigkeit beim Kaffee rösten?
baroco_Das Rösten selbst ist, ehrlich gesagt, mit etwas Übung relativ einfach. Die richtige Kaffeemischung zu finden ist die eigentliche Herausforderung.
bpcc_Falls ihr schon einmal in ein Kaffee-Anbauland gereist seid: Wohin? Habt ihr den Kaffeefarmern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen können?
baroco_Das steht ganz oben auf unserer TODO Liste. Es bleibt also spannend.
bpcc_Wie ist eure Einschätzung des deutschen Kaffeemarktes: Werden die Konsumenten vermehrt Wert auf Qualität legen und dafür auch höhere Preise bezahlen? Wie seht ihr das Verhältnis zwischen Industrie-Röstern und Kleinröstern? Haben die “Kleinen” überhaupt eine Chance?
baroco_Ja, wir haben eine Chance. Es gibt wie in fast jedem Bereich zwei Ansätze: 1) Hohe Quantität und dafür preiswerter, und 2) hohe Qualität und dafür exklusiver. Wir bieten hohe Qualität zum einem fairen Preis. Das ist der Weg den man als ‘Kleiner‘ gehen muss um erfolgreich zu sein.
bpcc_Ihr seid demnächst in den USA, um euch die dortige Kaffee-Szene genauer anzuschauen. Was sind eurer Meinung nach die Punkte, die sich die Deutschen noch von den Amerikanern abschauen müssen? Was sind die generellen Unterschiede zwischen der deutschen und der amerikanischen Kaffeeszene?
baroco_In Deutschland ist man weitläufig der Meinung die Italiener hätten den besten Kaffee der Welt. Haben sie aber nicht, schon lange nicht mehr, auch wenn das kaum jemand einsehen will. Wir Deutschen, nein, wir Europäer, müssen lernen unseren Blickwinkel zu vergrößern. Die Amerikaner besitzen etwas das wir nicht haben oder das uns abhanden gekommen ist: Den Mut zur Veränderung gepaart mit dem unbedingten Willen alles besser machen zu wollen als die anderen. Diese Kombination ist unschlagbar, denn sie eröffnet neue Möglichkeiten, gibt Raum für Experimente und definiert alte Grenzen neu. Das gilt für alle Bereiche aber eben auch für das Kaffeerösten. Es gibt allein in Nordamerika mehrere tausend kleiner Kaffeeröstereien wie wir eine sind und jede beschreitet einen anderen, neuen Weg um ein klein wenig besser zu werden als ihre Mitstreiter. So entsteht Fortschritt.
bpcc_Wie bereitet ihr euren Kaffee / Espresso zu?
baroco_Unseren Filterkaffee bereiten wir in der Pressstempelkanne zu. Es ist eine einfache aber gute Möglichkeit der Kaffeezubereitung, weil dadurch alle Aromen zur Geltung kommen. Wir geben dabei eine Ziehzeit von etwa 5 Min vor. Unseren Espresso (oder sollten wir sagen, unsere beiden Espressi?) bereiten wir mit einer La Marzocco GB5 zu. Eine wunderschöne Maschine die technisch und optisch keine Wünsche offen lässt.
