Jonas Braun ist ein Kaffeekind. Sein Vater, Rainer Braun, betreibt seit 25 Jahren die Kaffeerösterei Braun in Mainaschaff und ist damit einer der alten Hasen in der deutschen Kleinröstereien-Szene. Dass sich Jonas früher oder später mit einem eigenen Kaffee-Konzept selbständig machen wird, war also quasi vorprogrammiert. Seit einigen Wochen ist er nun mit Labelmycoffee am Start, einem neuen Konzept, bei dem sich Unternehmen ihre individuell designten Qualitäts-Kaffees bestellen können.
„Aufgrund des sich rasant durchsetzenden Franchisings in der deutschen Café- und Backwarenbranche gehen zwangsläufig nicht nur Individualität, Varietät und Klasse der Kaffees verloren, sondern auch ein unwiederbringlicher Teil jeder örtlichen Kultur und Tradition. Darüber hinaus ist die deutsche Kaffeekultur geprägt von kurzzeitgerösteten und deshalb schwer verträglichen Industriekaffees sowie von überwiegend eintönig gestalteten Verpackungen. Das will ich mit meinem Konzept ändern,“ fasst Jonas den Gründungsgedanken zusammen.

Damit sich nicht nur Firmen-, sondern auch Privatkunden von der besonderen Qualität der Braun´schen Kaffees überzeugen können, gibt es eine eigene Marke namens Lojo´s Coffee, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Denn 1. unterstützen wir natürlich gerne neue Gründer in der Kaffeeszene und 2. schmeckt der in der Familien-Rösterei geröstete Kaffee wirklich lecker! Dass er im Langzeit-Röstverfahren geröstet wurde und außerdem Bio und FairTrade bzw. UTZ zertifiziert ist, versteht sich dabei von selbst.
Die Lojo´s Kollektion ist noch recht übersichtlich. Ganz nach dem Motto „Weniger ist Mehr“ gibt es einen Espresso für die verschiedenen Espresso-Zubereitungsarten, einen Kaffee für Vollautomaten und einen klassischen Kaffee für alle Filterzubereitungsarten. „Das Sortiment habe ich natürlich auch mit Hilfe der Jahrzehnte alten Erfahrung meines Vaters zusammengestellt. So bieten wir zum Beispiel den „Silver Label“, unseren klassischen Filterkaffee, nur gemahlen an, da die meisten Filtermaschinen-Besitzer keine Mühle haben. Umgekehrt gibt es zum Beispiel unseren „White Label“ nur in ganzer Bohne, da er speziell für Vollautomaten konzipiert wurde,“ erklärt Jonas.
Doch jetzt wollen wir Dir Jonas im Kaffeepiraten-Interview noch einmal genauer vorstellen.

bpcc_Lojo´s Coffee ist eine ganz neue Marke auf dem Kaffeemarkt. Was genau steckt dahinter, was ist das Besondere an ihr?
jonas braun_Die Attribute unserer Eigenmarke sind klar definiert:
1. Fair: Mit unserem Kaffee wollen wir Kaffeebauern im Ursprung faire Preise und dem Endverbraucher ein Top-Produkt garantieren. Eine klassische Win-Win Situation für alle Beteiligten.
2. Organic: Unsere Kaffees entsprechen ausnahmslos biologisch einwandfreien Kriterien. Nachhaltiges Wirtschaften beginnt nach unserer Philosophie bereits beim Kaffeeanbau. Nur in seiner ursprünglichsten Form – ohne chemische Düngemittel und Ernteautomaten – können wir die Umwelt nachhaltig schützen und hohe Qualitäten für die Verbraucher garantieren.
3. Quality: Gründungsidee und klar definiertes Ziel von Label My Coffee ist es, dem Kaffeeliebhaber ein Top-Produkt anzubieten. Dies hängt zweifelsohne eng mit dem Nachhaltigkeits-Gedanken zusammen. Kaffee ist und bleibt ein Naturprodukt – die Umwelt ist daher unser Grundkapital, das es zu schützen gilt. Weiterhin bedeutet Qualität gleichermaßen Selektion. Persönliche Kontakte zu Kaffeeproduzenten, Importeuren und natürlich den Röstern sind hierbei unentbehrlich.

bpcc_Der Kaffeemarkt ist hart umkämpft. Wie gut sind Deiner Meinung nach die Chancen für kleine, neue Kaffeemarken wie Lojo‘s und für Kleinröstereien, die gerade wie Pilze aus dem Boden sprießen?
jb_Seit Jahren erleben wir einen faszinierenden Kaffee-Boom. Erinnere ich mich zurück, produzierte und verkaufte die Rösterei meines Vaters noch Anfang der 90er Jahre fast ausschließlich Mahlkaffee. Das Blatt wendete sich als die ersten Kaffee-Vollautomaten auf den Markt kamen. Plötzlich hatten die Großkonzerne im Gegensatz zu Klein- bzw. Qualitätsröstern enorme Probleme Ihre minderen Qualitäten als ganze Bohnen anzubieten. Durch die „Starbucks-Welle“ wurde Kaffee schließlich zum Lifestyle-Produkt und der Konsument war bereit, mehr Geld dafür zu bezahlen. Klar, dass Kleinröstereien und Coffee-Shops geradezu aus dem Boden sprossen. Allerdings bin ich der Meinung, dass dies nun vorläufig ein Ende hat. Die immer weiter steigenden Rohkaffee- und Energiepreise bereiten vor allem den Röstereien enorme Schwierigkeiten. Im Coffee-Shop Bereich sehe ich es nicht ganz so kritisch, da der Einfluss steigender Preise auf die Tasse gesehen eher marginale Auswirkungen hat.
Kleinen Kaffeemarken rechne ich dennoch hohes Chancenpotential zu. Der Trend zur Individualität ist eindeutig zu spüren. Jeder möchte „besonders“ und „einzigartig“ sein und den ultimativen Kaffee-Geheimtipp in seinen Reihen haben.

bpcc_Du kommst aus einer Rösterei-Familie, bist also mit Kaffee aufgewachsen. Was hat Dich dazu gebraucht dieser Branche treu zu bleiben? Was ist für Dich das Besondere an Kaffee?
jb_Das ist eine interessante Frage. Es ist sicherlich richtig, dass mich der unmittelbare Bezug zu Kaffee bereits in frühen Jahren geprägt hat. Zudem habe ich die Entwicklung der Rösterei von der „Hinterhof-Spinnerei“ meines Vaters bis hin zu einem mittelständischen Unternehmen von Beginn an miterlebt. Wer im zarten Alter von etwa drei Jahren bereits auf Kaffeesäcken gesessen hat, kann Kaffee sicherlich zurecht als Muttermilch-Ersatz bezeichnen. Dass ich der Branche treu bleibe, hat sich daher schon früh abgezeichnet. Mitverantwortlich sind allerdings auch viele positive Erfahrungen die ich in Bezug zu Kaffee erlebt habe. In einer riesigen Handelskette verbindet Kaffee Menschen mit unterschiedlichsten Mentalitäten rund um den Globus. Ganz davon abgesehen ist es ein Produkt, das der Kreativität praktisch keine Grenzen setzt.

bpcc_Was hast Du vor der Gründung Deines eigenen Unternehmens gemacht?
jb_Das gleiche was ich immer noch mache. Lorenz (Mitgründer) und ich studieren nach wie vor BWL mit dem Schwerpunkt Import/Export in der tollen Stadt Köln. Zuvor hatte ich nach meinem Abi eine Banklehre absolviert und bin anschließend knapp ein Jahr um die Welt gereist. Erfahrungen die ich keinesfalls missen möchte und der Idee – die schon damals existierte – den letzten Schub Selbstvertrauen gegeben haben.
bpcc_Gerade in den letzten Jahren hat sich sowohl der deutsche, als auch der internationale Kaffeemarkt stark gewandelt: Die Rohkaffeepreise steigen, die Chinesen und Japaner mischen immer mehr im Handel mit besonderen Rohkaffees, die Verbraucher legen verstärkt Wert auf Transparenz & Qualität. Welche Konsequenzen ergeben sich Deiner Meinung nach daraus für die Röstereien und die Verbraucher?
jb_Grundsätzlich gibt es zwei Erklärungen für die drastische Preissteigerung auf dem Kaffeemarkt. Einerseits sind viele produktfremde Investoren im Spiel, die durch Spekulationen oder Anlagen den Preis künstlich in die Höhe treiben. Andererseits trägt die derzeitige Verknappung von hochwertigen und zertifizierten Kaffees ihren Teil zur Preissteigerung bei. Die enorme Nachfrage aus China und Japan ist sicherlich ein Grund hierfür. Insbesondere für kleinere Röstereien wird es daher in Zukunft schwer werden, ihren Kunden Spitzenkaffees zu „annehmbaren“ Preisen anzubieten.

bpcc_Welche Kaffee-Anbauländer hast Du schon bereist und was waren die prägendsten Erlebnisse, die Du dort hattest?
jb_Dank meines Vaters bin ich in der glücklichen Lage, bereits einige Kaffeeanbauländer dieser Welt bereist zu haben. Von Indien über Guatemala, Laos, Brasilien und Kuba. Ein Schlüsselerlebnis war für mich definitiv eine Reise nach Guatemala. Zwei Wochen mit einheimischen Kaffeebauern von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Kaffee zu pflücken… plötzlich wurde mir bewusst, was es heißt in tropischer Hitze diesen Knochenjob auszuüben und dafür einen Hungerlohn zu erhalten. Seitdem wusste ich jede Tasse Kaffee auf eine ganz andere Art und Weise wertzuschätzen…
bpcc_Welches Anbauland würdest Du Leuten empfehlen, die zum ersten Mal Kaffee in seinem Ursprung erleben wollen und warum?
jb_Definitiv Laos. Dort machte ich einen kurzen Abstecher während meiner Weltreise. Eher zufällig bin ich auf die Kaffeeplantagen gestoßen die sich im Südlichen Teil von Laos auf dem sogenannten Bolaven-Plateau befinden. Dank meines vier Dollar/Tag Mopeds konnte ich dort in relativ kurzer Zeit sämtliche Plantagen abklappern. Mein Geheimtipp für all jene, die in Laos an einer Plantagenführung und an Rösttricks mit einer Wok-Pfanne interessiert sind: Hier vorbeischauen.
bpcc_Woher kommen Deiner Meinung nach die besten Rohkaffees und warum?
jb_Diese Frage ist sicherlich nicht zu beantworten. Als Genussmittel ist und bleibt Kaffee immer Geschmackssache – und Geschmack ist bekanntlich subjektiv. Zudem hat Kaffee meiner Meinung nach mit Emotionen, Gefühlen, Erfahrungen und vor allem Lebensgefühl zu tun. Hervorragende Kaffees gibt es viele auf der Welt, ich würde lügen wenn ich hier eine konkrete Antwort gäbe.
bpcc_Was trinkst Du lieber: Kaffee oder Espresso? Und wie bereitest Du ihn zu?
jb_Auch hier möchte ich mich nicht festlegen. Je nach Situation haben beide Zubereitungsarten ihren Reiz. Zum Frühstück trinke ich besonders gerne Filterkaffee – und zwar ganz unkonventionell handaufgebrüht. Ansonsten liebe ich natürlich Espresso aus meiner Siebträgermaschine.
bpcc_Wie viele Tassen trinkst Du täglich? Bist Du eher ein Genuss- oder ein Vieltrinker?
jb_Täglich komme ich vielleicht im Schnitt auf 3-5 Tassen – Ein gesundes Mittelmaß zwischen Genuss- und Vieltrinker also… ☺
Lieber Leser, nach diesem Interview hat man doch richtig Lust auf eine Tasse Kaffee, oder? Dann komm an Bord und sichere Dir die fette Beute! Hier entlang, bitte.










































