September 1st, 2011 §

Ricus war (oder ist es vielleicht noch) ein Lebenskünstler. Eine “anständige” Ausbildung, wie sie die Eltern forderten, verweigerte er. Stattdessen ging er nach Berlin und Paris, um seiner Leidenschaft nachzugehen: Er fotografierte. Um Geld zu verdienen, arbeitete er in Cafés und zapfte einen Espresso nach dem anderen. Wie er zu seiner eigenen Rösterei kam und was Kaffee und Fotografie für ihn bedeuten?
Das soll er Dir am besten selbst erzählen…
bpcc_Seit wann betreibst Du Deine eigene Rösterei und wie bist Du überhaupt zum Kaffee gekommen
ricus_Ich röste seit 1999 und seit 2002 gibt es das Panama Kaffee bzw. die Rösterei. Ich habe Mitte / Ende der 90er in Berlin gelebt und fotografiert. Nebenbei habe ich in einem Café gearbeitet, an einer 4gruppigen irgendwas. (Volle pulle Cappuccino , Latte Macchiato, Espresso etc….) Es gab eine kleine Rösterei in der Nähe. Das „Coffeemamas“ am Hackeschen Markt in Mitte. Dort stand in dem winzigen Laden ein 5kg Probat Röster und man konnte Bohnen kaufen, aus dem Fenster gucken und Espresso trinken. Das mit der Fotografie lief ( monetär ) nicht so gut, eine existenzielle Entscheidung musste her. Ich bin zurück nach Hannover ( meinem Geburtsort ) und habe da Hannovers erste Kaffeebar mit Rösterei eröffnet.

bpcc_Was hast Du vor Deiner Kaffee-Karriere gemacht?
ricus_Seit meinem 20. Lebensjahr fotografiere ich . Gleichzeitig habe ich immer hinter der Bar gearbeitet, fast 30 Jahre, davon meistens an der Kaffeemaschine. Bevor ich zurück nach Hannover ging, war ich einige Zeit in Paris (3 Jahre) zum fotografieren und eben auch in Berlin. Ich hatte dann einige Brotjobs im Bereich Architektur und Industriefotografie. Zum Leben hat es nie gereicht, deshalb habe ich dann angefangen Kaffee zu rösten.

bpcc_Jeder Röster hat so seine eigene Philosophie bezüglich der Rohkaffee-Auswahl oder der Zusammenstellung und Röstung der Bohnen. Hast Du auch eine und wenn ja, welche?
ricus_Ich habe in allem was ich tue einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Ich versuche das bestmögliche Ergebnis aus der Bohne beim rösten herauszuholen. Transparenz und Ehrlichkeit sind mir auch wichtig. Meine Kunden sind das Wichtigste überhaupt für mich. Ich richte mich stark nach Trends und den Wünschen meiner Kunden. Bei der Auswahl der Kaffees versuche ich das zu berücksichtigen. » Read the rest of this entry «
Juli 25th, 2011 §

Thomas vollzog seinen Quereinstieg ins Kaffeegeschäft vor vier Jahren nicht nur mit viel Elan und Begeisterung, sondern auch im Turbogang. Er begann selbst zu rösten, ließ sich in Wien zum Chef-Diplom-Kaffeesommelier ausbilden und ist Deutschlands einziger Q-Grader. Seit zwei Jahren stellt er sein großes Wissen, seine feine Nase und seinen geschluter Gaumen außerdem in der Jury vom Cup of Excellence zur Verfügung.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage (denn wir sind ja kritische Piraten): Hat der Mann seine Titel zu Recht und kann er überhaupt rösten?
Wir finden: Auf jeden Fall! Und da wir unserer Crew gute Röstungen niemals vorenthalten würden, mussten wir Thomas einfach zu uns an Bord holen! Ob Du uns in unserer Begeisterung zustimmst, darüber kannst Du Dir ab sofort selbst ein Bild machen, denn die Kaffees aus der Murnauer Kaffeerösterei gibt es ab sofort zum testen bei uns an Bord. Doch bevor wir uns an die Kaffeemaschine begeben, haben wir Thomas noch ein paar Fragen gestellt.

bpcc_Seit wann betreibst Du Deine eigene Rösterei und wie bist Du überhaupt zum Kaffee gekommen?
thomas_Meine Leidenschaft zum Kaffee wurde 1995 auf Hawaii geweckt. Dort habe ich zum ersten Mal eine Kaffeeplantage gesehen. Die Einladung vom Kaffeebauern zu einer Tasse Kaffee hat dann mein Leben grundlegend verändert. 2007 war es dann so weit: Ich ließ mich in Wien zum Chef-Diplom-Kaffeesommelier ausbilden und begann, selbst zu rösten. Seitdem hält mich Kaffee fest in seiner Hand.
bpcc_Was hast Du vor Deiner Kaffee-Karriere gemacht?
thomas_Davor war ich Controller bei einer kanadischen Softwarefirma und war für das Wachstum durch Zukäufe von Unternehmen in Europa mit verantwortlich.
bpcc_Du bist Chef-Diplom-Kaffeesommelier: Was genau kann man sich darunter vorstellen und wie sieht diese Ausbildung aus?
thomas_Die Ausbildung ist in drei Teile aufgebaut. Man lernt im Wesentlichen die Unterschiede der Kaffeesorten und die Merkmale der Herkunftsländer kennen, welche sich im Kaffee wieder spiegeln. Man lernt das Zubereiten traditioneller Kaffeegetränke und vor allem, und das ist und war für mich das wichtigste, das Rösten von Kaffee.

bpcc_Du bist der einzige Q-Grader Deutschlands. Was ist das und wie wird man es?
thomas_Q-Grader könnte man am besten übersetzten mit den Worten Qualitätsbegutachter. Ein Q-Grader macht das, was man eigentlich von der Wortwahl von einem Sommelier erwartet: Er bewertet die Kaffees. Beginnend bei der Rohware und dann im gerösteten Zustand. Dabei wird der Kaffee bzgl. Geruch, Geschmack und Aroma bewertet. Die Bewertung des Kaffees erfolgt dabei weltweit von allen Q-Gradern gleich. Bewertet werden 10 Merkmale des Kaffees und jedes Merkmal kann 10 Punkte erhalten. Ein Top Kaffee kann somit bis zu 100 Punkte erreichen. Q-Grader wird man in dem man sich am Coffee Quality Institute das umfangreiche Wissen über Kaffee aneignet und dann einen dreitätigen Test besteht.

bpcc_Jeder Röster hat so seine eigene Philosophie bezüglich der Rohkaffee-Auswahl oder der Zusammenstellung und Röstung der Bohnen. Hast Du auch eine und wenn ja, welche?
thomas_Nur das Beste natürlich. Das klingt so einfach, jedoch steckt viel dahinter. Was ist das Beste? Der Genießer eines Kaffees aus der Murnauer Kaffeerösterei soll mit seinem Getränk eins werden. Wir kennen es vom Wein: Wir kaufen Wein wenn wir wissen, wo er genau herkommt und was drin ist. Diese Transparenz will ich meinen Kunden auch bieten.

bpcc_Du warst schon zwei Mal in der Jury von Cup of Excellence. In welchen Ländern war das und wie laufen diese Verkostungen und Bewertungen ab?
thomas_Beim ersten Mal war ich in El Salvator. Dieses Jahr durfte ich nach Kolumbien reisen. Beim COE reichen Kaffeebauern eines Landes ihren Kaffee bei einer Jury ein. Die erste Auswahl aller Kaffees übernimmt eine nationale Jury, bestehend aus professionellen Kaffeeverkostern. Kaffees, welche einen definierten Qualitätsstandart erreichen, werden dann einer internationalen Jury von ca. 24 Juroren aus meist ca. 12 bis 16 Ländern gereicht. Die internationale Jury verkostet dann fünf Tage lang dieses Kaffees. Der Höhepunkt bei der Verkostung ist natürlich immer der 5. Tag an dem nur noch die Creme de la Creme der Kaffees verkostet wird. Das sind die Top 10 die sich meist aus über 500 Kaffees überdurchschnittlich hervorheben.
bpcc_Der Kaffeemarkt ist gerade stark im Wandel begriffen: Die Rohkaffeepreise steigen, die Nachfrage steigt, weil die Chinesen und Japaner neuerdings zu Kaffeetrinkern mutiert sind. Was bedeuten diese Trends für kleine Kaffeeröstereien? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Zukunft?
thomas_Die Nachfrage nach Kaffee und vor allem auch die Nachfrage nach Qualitätskaffee wird weiter steigen. Wir haben in einigen Ländern bereits einen Markt für Spezialitätenkaffees auf dem Konsumenten für 1 kg Kaffee bereits mehr als 40 Euro bezahlen.Diese Nachfrage führt dazu, dass viele Kaffeebauern mehr auf Qualität statt auf Quantität setzen.


bpcc_Du warst schon in vielen Kaffee-Anbauländern unterwegs. Wo hat es Dir bisher am besten gefallen und wieso?
thomas_Jedes Land ist einmalig und hat seine Reize. Am meisten war ich von Äthiopien begeistert. Die Landschaft ist so vielfältig und bestimmt das Paradies, wie es in der Bibel beschrieben ist. Die Menschen sind so herzlich und freundlich, dass man sie nie vergessen wird. Der Kaffee in der Geburtstätte des Arabica-Kaffees ist so mannigfaltig im Geschmack, dass hier bestimmt die Engel ihre Finger im Spiel haben;-)
bpcc_Welchen Kaffee/Espresso trinkst Du am liebsten und wie bereitest Du ihn zu?
thomas_Die aktuellen Ernten aus Äthiopien und Costa Rica sind überwältigend. Am Morgen brühe ich gerne meinen Kaffee auf. Am Vormittag folgt eine Cappuccino-Pause und nach dem Mittagessen gibt es einen Espresso.

bpcc_Bist Du ein Genuss- oder ein Vieltrinker? Auf wie viel Liter Kaffee kommst Du?
thomas_Obwohl ich viel Kaffee trinke, bin ich ein Genussmensch. Jeder Schluck muss meine Geschmackssinne berühren. Wenn man die Kaffees aus den Verkostungen mal nicht mit rechnet, dann passiert es durchaus schon mal, dass ich einen Liter Kaffee am Tag trinke. Dann ist er meistens mit der Karlsbader Kanne zubereitet.
So, genug geredet, jetzt ist es wirklich höchste Zeit für einen guten Kaffee, oder? Du auch? Dann hier entlang, bitte.
Juli 1st, 2011 §

Bevor Jonas Braun mit seiner Kaffeelinie Lojo’s Coffee zu uns an Bord kam, haben wir ihn und seinen Vater in Mainaschaff in ihrer Kaffeerösterei Braun besucht: Und die ist definitiv beeindruckend und hat ganz andere Dimensionen als andere Kleinröster, die wir bisher besucht haben. Dennoch ist die Kaffeerösterei Braun weit davon entfernt, ein Industrieröster zu sein. Vor allem, was die Kaffeequalität betrifft.

Vater Braun, den wir oben links im Bild sehen, kam zum Kaffeegeschäft, als er in den Achtzigern mit seiner Frau im VW Bus durch Südamerika tourte. Er sah Kaffeeplantagen, lernte die Kaffeebauern kennen und war fasziniert. Zurück in Deutschland gründete er seine eigene Rösterei und was ganz klein begann ist inzwischen ein solides Unternehmen geworden. Bekannt ist die Kaffeerösterei Braun inzwischen unter anderem wegen ihrer engen Verbindung zur GEPA, die Fair Trade Company, für die sie sämtliche Kaffees röstet.

Der 240 Kilo-Röster wurde gerade erst neu installiert, Rohkaffee-Silos und Röstkaffee-Silos sorgen für die optimale Lagerung der Kaffees, die schonend bei mindestens 20 Minuten geröstet werden. Dabei ist Frische oberstes Gebot: Kein fertiger Kaffee liegt länger als fünf Tage im Silo.



Und im Hochregallager entdecken wir Spezialitäten aus aller Herren Länder. Sohn Jonas Braun ist erst Mitte 20, aber neben seinem Studium schon mittendrin im Kaffeegeschäft. Jede freie Minute hilft er in der Rösterei und in den Ferien bereist er die Anbauländer. Da lag es nahe, dass früher oder später die eigene Kaffeelinie folgen wird.
Mit Lojo’s Coffee hat er eine Linie von zwei Kaffees und einem Espresso entwickelt, die allesamt fair gehandel und biozertifiziert sind.Die Röstungen können bis 24. Juli bei uns im Shop verkostet werden.
Und wenn Dich unser Urteil interessiert, dann kannst Du nachfolgend lesen, wie uns die Kaffees geschmeckt haben:

Der Espresso ist eine Mischung sonnengetrockneter Arabica aus den Wäldern Äthiopiens mit einem Schuss handverlesenem Robusta aus Mexiko und Tansania. Eine typisch italienische, sehr dunkel geröstete Espressomischung, die Power haben soll. Wir öffnen den Beutel und:
Wir riechen: Ein kräftiges, karamelliges Aroma. Intensiv würzig mit einer Süßen Note. Der im Siebträger zubereitete Espresso hat ein fruchtiges Aroma.
Wir schmecken: Das fruchtige Aroma setzt sich in der Tasse nicht fort. Wir schmecken einen würzig, kräftigen Espresso. Die auf der PRoduktangabe benannten Noten von gebrannten Mandeln sind deutlich erkennbar. Der Espresso hinterlässt ein samtiges Mundgefühl.
Unser Fazit: Ein klassischer Espresso, so wie man ihn sich in Italien wünscht – vielleicht nicht ganz so stark, was wir als positiv empfinden. Für seinen Preis ist das definitiv eine großartige Wahl für einen Alltagsespresso, der sich auch toll im Cappuccino macht! Für 10,50€ bekommt man 500Gramm in ganzer Bohne.

Eine Arabica-Robusta-Mischung aus den Regionen Genuine Marcala in Honduras, Caiamarca in Peru, und aus Harrar in Äthiopien. Bestens geeignet für Vollautomaten, aber als Crema Kaffee im Siebträger zubereitet. Wir sind gespannt, stellen die Mühle neu ein, machen den Siebträger startklar und öffnen den Beutel:
Wir riechen: Angenehm süßlich duftende Kaffeebohnen. Sie sind dunkel geröstet und ergeben in der Tasse ein fruchtig süßes Aroma.
Wir schmecken: Einen fein-milden Kaffee mit einer schön weichen Crema und feiner Säure. Der Kaffee ist dennoch vollmundig, hinterlässt aber keinen langen Nachgeschmack.
Unser Fazit: Ein magenschonender Alltagskaffee. Fein mit einem Schuss Kaffeesahne oder als Milchkaffee. Für 9,50€ bekommt man 500Gramm in ganzer Bohne.

In dieser Mischung wurden Bohnen aus Kerala mit Bohnen aus Indien, Brasilien und aus der Kilimadscharo-Region in Tansania gemischt. Der Kaffee ist vorgemahlen, da er explizit für Filterkaffee-Trinker entwickelt wurde. Wir bereiten ihn in der AeroPress zu.
Wir riechen: Einen würzigen Kaffee mit einer fruchtigen Säure.
Wir schmecken: Einen fruchtig-milden Kaffee mit mittelvollem Körper und einem dezenten Nachgeschmack.
Unser Fazit: Ein solider Alltagskaffee, der einen unschlagbaren Preis hat. Für nur 6,80€ gibt es den 500 Gramm Beutel, der bereits vorgemahlen ist.
Juni 27th, 2011 §
Jonas Braun ist ein Kaffeekind. Sein Vater, Rainer Braun, betreibt seit 25 Jahren die Kaffeerösterei Braun in Mainaschaff und ist damit einer der alten Hasen in der deutschen Kleinröstereien-Szene. Dass sich Jonas früher oder später mit einem eigenen Kaffee-Konzept selbständig machen wird, war also quasi vorprogrammiert. Seit einigen Wochen ist er nun mit Labelmycoffee am Start, einem neuen Konzept, bei dem sich Unternehmen ihre individuell designten Qualitäts-Kaffees bestellen können.
„Aufgrund des sich rasant durchsetzenden Franchisings in der deutschen Café- und Backwarenbranche gehen zwangsläufig nicht nur Individualität, Varietät und Klasse der Kaffees verloren, sondern auch ein unwiederbringlicher Teil jeder örtlichen Kultur und Tradition. Darüber hinaus ist die deutsche Kaffeekultur geprägt von kurzzeitgerösteten und deshalb schwer verträglichen Industriekaffees sowie von überwiegend eintönig gestalteten Verpackungen. Das will ich mit meinem Konzept ändern,“ fasst Jonas den Gründungsgedanken zusammen.

Damit sich nicht nur Firmen-, sondern auch Privatkunden von der besonderen Qualität der Braun´schen Kaffees überzeugen können, gibt es eine eigene Marke namens Lojo´s Coffee, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Denn 1. unterstützen wir natürlich gerne neue Gründer in der Kaffeeszene und 2. schmeckt der in der Familien-Rösterei geröstete Kaffee wirklich lecker! Dass er im Langzeit-Röstverfahren geröstet wurde und außerdem Bio und FairTrade bzw. UTZ zertifiziert ist, versteht sich dabei von selbst.
Die Lojo´s Kollektion ist noch recht übersichtlich. Ganz nach dem Motto „Weniger ist Mehr“ gibt es einen Espresso für die verschiedenen Espresso-Zubereitungsarten, einen Kaffee für Vollautomaten und einen klassischen Kaffee für alle Filterzubereitungsarten. „Das Sortiment habe ich natürlich auch mit Hilfe der Jahrzehnte alten Erfahrung meines Vaters zusammengestellt. So bieten wir zum Beispiel den „Silver Label“, unseren klassischen Filterkaffee, nur gemahlen an, da die meisten Filtermaschinen-Besitzer keine Mühle haben. Umgekehrt gibt es zum Beispiel unseren „White Label“ nur in ganzer Bohne, da er speziell für Vollautomaten konzipiert wurde,“ erklärt Jonas.
Doch jetzt wollen wir Dir Jonas im Kaffeepiraten-Interview noch einmal genauer vorstellen.

bpcc_Lojo´s Coffee ist eine ganz neue Marke auf dem Kaffeemarkt. Was genau steckt dahinter, was ist das Besondere an ihr?
jonas braun_Die Attribute unserer Eigenmarke sind klar definiert:
1. Fair: Mit unserem Kaffee wollen wir Kaffeebauern im Ursprung faire Preise und dem Endverbraucher ein Top-Produkt garantieren. Eine klassische Win-Win Situation für alle Beteiligten.
2. Organic: Unsere Kaffees entsprechen ausnahmslos biologisch einwandfreien Kriterien. Nachhaltiges Wirtschaften beginnt nach unserer Philosophie bereits beim Kaffeeanbau. Nur in seiner ursprünglichsten Form – ohne chemische Düngemittel und Ernteautomaten – können wir die Umwelt nachhaltig schützen und hohe Qualitäten für die Verbraucher garantieren.
3. Quality: Gründungsidee und klar definiertes Ziel von Label My Coffee ist es, dem Kaffeeliebhaber ein Top-Produkt anzubieten. Dies hängt zweifelsohne eng mit dem Nachhaltigkeits-Gedanken zusammen. Kaffee ist und bleibt ein Naturprodukt – die Umwelt ist daher unser Grundkapital, das es zu schützen gilt. Weiterhin bedeutet Qualität gleichermaßen Selektion. Persönliche Kontakte zu Kaffeeproduzenten, Importeuren und natürlich den Röstern sind hierbei unentbehrlich.

bpcc_Der Kaffeemarkt ist hart umkämpft. Wie gut sind Deiner Meinung nach die Chancen für kleine, neue Kaffeemarken wie Lojo‘s und für Kleinröstereien, die gerade wie Pilze aus dem Boden sprießen?
jb_Seit Jahren erleben wir einen faszinierenden Kaffee-Boom. Erinnere ich mich zurück, produzierte und verkaufte die Rösterei meines Vaters noch Anfang der 90er Jahre fast ausschließlich Mahlkaffee. Das Blatt wendete sich als die ersten Kaffee-Vollautomaten auf den Markt kamen. Plötzlich hatten die Großkonzerne im Gegensatz zu Klein- bzw. Qualitätsröstern enorme Probleme Ihre minderen Qualitäten als ganze Bohnen anzubieten. Durch die „Starbucks-Welle“ wurde Kaffee schließlich zum Lifestyle-Produkt und der Konsument war bereit, mehr Geld dafür zu bezahlen. Klar, dass Kleinröstereien und Coffee-Shops geradezu aus dem Boden sprossen. Allerdings bin ich der Meinung, dass dies nun vorläufig ein Ende hat. Die immer weiter steigenden Rohkaffee- und Energiepreise bereiten vor allem den Röstereien enorme Schwierigkeiten. Im Coffee-Shop Bereich sehe ich es nicht ganz so kritisch, da der Einfluss steigender Preise auf die Tasse gesehen eher marginale Auswirkungen hat.
Kleinen Kaffeemarken rechne ich dennoch hohes Chancenpotential zu. Der Trend zur Individualität ist eindeutig zu spüren. Jeder möchte „besonders“ und „einzigartig“ sein und den ultimativen Kaffee-Geheimtipp in seinen Reihen haben.

bpcc_Du kommst aus einer Rösterei-Familie, bist also mit Kaffee aufgewachsen. Was hat Dich dazu gebraucht dieser Branche treu zu bleiben? Was ist für Dich das Besondere an Kaffee?
jb_Das ist eine interessante Frage. Es ist sicherlich richtig, dass mich der unmittelbare Bezug zu Kaffee bereits in frühen Jahren geprägt hat. Zudem habe ich die Entwicklung der Rösterei von der „Hinterhof-Spinnerei“ meines Vaters bis hin zu einem mittelständischen Unternehmen von Beginn an miterlebt. Wer im zarten Alter von etwa drei Jahren bereits auf Kaffeesäcken gesessen hat, kann Kaffee sicherlich zurecht als Muttermilch-Ersatz bezeichnen. Dass ich der Branche treu bleibe, hat sich daher schon früh abgezeichnet. Mitverantwortlich sind allerdings auch viele positive Erfahrungen die ich in Bezug zu Kaffee erlebt habe. In einer riesigen Handelskette verbindet Kaffee Menschen mit unterschiedlichsten Mentalitäten rund um den Globus. Ganz davon abgesehen ist es ein Produkt, das der Kreativität praktisch keine Grenzen setzt.

bpcc_Was hast Du vor der Gründung Deines eigenen Unternehmens gemacht?
jb_Das gleiche was ich immer noch mache. Lorenz (Mitgründer) und ich studieren nach wie vor BWL mit dem Schwerpunkt Import/Export in der tollen Stadt Köln. Zuvor hatte ich nach meinem Abi eine Banklehre absolviert und bin anschließend knapp ein Jahr um die Welt gereist. Erfahrungen die ich keinesfalls missen möchte und der Idee – die schon damals existierte – den letzten Schub Selbstvertrauen gegeben haben.
bpcc_Gerade in den letzten Jahren hat sich sowohl der deutsche, als auch der internationale Kaffeemarkt stark gewandelt: Die Rohkaffeepreise steigen, die Chinesen und Japaner mischen immer mehr im Handel mit besonderen Rohkaffees, die Verbraucher legen verstärkt Wert auf Transparenz & Qualität. Welche Konsequenzen ergeben sich Deiner Meinung nach daraus für die Röstereien und die Verbraucher?
jb_Grundsätzlich gibt es zwei Erklärungen für die drastische Preissteigerung auf dem Kaffeemarkt. Einerseits sind viele produktfremde Investoren im Spiel, die durch Spekulationen oder Anlagen den Preis künstlich in die Höhe treiben. Andererseits trägt die derzeitige Verknappung von hochwertigen und zertifizierten Kaffees ihren Teil zur Preissteigerung bei. Die enorme Nachfrage aus China und Japan ist sicherlich ein Grund hierfür. Insbesondere für kleinere Röstereien wird es daher in Zukunft schwer werden, ihren Kunden Spitzenkaffees zu „annehmbaren“ Preisen anzubieten.

bpcc_Welche Kaffee-Anbauländer hast Du schon bereist und was waren die prägendsten Erlebnisse, die Du dort hattest?
jb_Dank meines Vaters bin ich in der glücklichen Lage, bereits einige Kaffeeanbauländer dieser Welt bereist zu haben. Von Indien über Guatemala, Laos, Brasilien und Kuba. Ein Schlüsselerlebnis war für mich definitiv eine Reise nach Guatemala. Zwei Wochen mit einheimischen Kaffeebauern von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Kaffee zu pflücken… plötzlich wurde mir bewusst, was es heißt in tropischer Hitze diesen Knochenjob auszuüben und dafür einen Hungerlohn zu erhalten. Seitdem wusste ich jede Tasse Kaffee auf eine ganz andere Art und Weise wertzuschätzen…
bpcc_Welches Anbauland würdest Du Leuten empfehlen, die zum ersten Mal Kaffee in seinem Ursprung erleben wollen und warum?
jb_Definitiv Laos. Dort machte ich einen kurzen Abstecher während meiner Weltreise. Eher zufällig bin ich auf die Kaffeeplantagen gestoßen die sich im Südlichen Teil von Laos auf dem sogenannten Bolaven-Plateau befinden. Dank meines vier Dollar/Tag Mopeds konnte ich dort in relativ kurzer Zeit sämtliche Plantagen abklappern. Mein Geheimtipp für all jene, die in Laos an einer Plantagenführung und an Rösttricks mit einer Wok-Pfanne interessiert sind: Hier vorbeischauen.
bpcc_Woher kommen Deiner Meinung nach die besten Rohkaffees und warum?
jb_Diese Frage ist sicherlich nicht zu beantworten. Als Genussmittel ist und bleibt Kaffee immer Geschmackssache – und Geschmack ist bekanntlich subjektiv. Zudem hat Kaffee meiner Meinung nach mit Emotionen, Gefühlen, Erfahrungen und vor allem Lebensgefühl zu tun. Hervorragende Kaffees gibt es viele auf der Welt, ich würde lügen wenn ich hier eine konkrete Antwort gäbe.
bpcc_Was trinkst Du lieber: Kaffee oder Espresso? Und wie bereitest Du ihn zu?
jb_Auch hier möchte ich mich nicht festlegen. Je nach Situation haben beide Zubereitungsarten ihren Reiz. Zum Frühstück trinke ich besonders gerne Filterkaffee – und zwar ganz unkonventionell handaufgebrüht. Ansonsten liebe ich natürlich Espresso aus meiner Siebträgermaschine.
bpcc_Wie viele Tassen trinkst Du täglich? Bist Du eher ein Genuss- oder ein Vieltrinker?
jb_Täglich komme ich vielleicht im Schnitt auf 3-5 Tassen – Ein gesundes Mittelmaß zwischen Genuss- und Vieltrinker also… ☺
Lieber Leser, nach diesem Interview hat man doch richtig Lust auf eine Tasse Kaffee, oder? Dann komm an Bord und sichere Dir die fette Beute! Hier entlang, bitte.
Juni 20th, 2011 §


Einen ganzen Tag lang Kaffeekunde, Verkostung und Rösten – das könnten wir wöchentlich wiederholen! Aber leider fehlt uns dafür die Zeit. Darum haben wir Röster Thomas in Murnau besucht und von ihm gleich die doppelte Portion Kaffeewissen mitgenommen. Thomas Eckel ist gelernter Kaffeesommelier und nimmt seit zwei Jahren am Cup of Excellence teil. Seinen Job als Finanzvorstand eines Softwareunternehmens hat er gegen die eigene Röstere getauscht und geht seither voll in seiner Leidenschaft für das schwarze Gold auf. Fünf Stunden lang lässt er uns an seinem umfassenden Wissen teilhaben. Wir erfahren mehr über Rohkaffees und Kaffeeanbau, machen eine Aromaschulung, rösten im kleinen Probenröster und lernen zu Cuppen. Vielen Dank, lieber Thomas! Mehr Fotos von der Schulung findest Du auf unserer Facebook-Seite unter diesem Link.
Info: Schulungen gibt Thomas regelmäßig in seiner Murnauer Kaffeerösterei zu sehr fairen Konditionen. Wenn Du Interesse hast, dann frage einfach direkt nach.
Juni 9th, 2011 §
Cavallo Nero ist an Bord gekommen – und bis 26. Juni kannst Du zwei Espressi und einen Kaffee der Biomarke probieren. Cavallo Nero entstricht unseren Kaffeepiraten-Standards, denn die Bohnen werden seit vielen Jahren partnerschaftlich von den selben Kooperativen bezogen. Allesamt stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Und verarbeitet werden sie von der Rösterei Braun in Mainaschaff im schonenden Trommelröstverfahren. Wir haben die Bohnen schonmal in unsere Mühle geworfen und verkostet.
Unser Eindruck: eine vielseitige Kaffeelinie, von mild bis kräftig, schön aromatisch, perfekt für Einsteiger-Baristi und Vollautomaten-Besitzer!


Dieser Espresso ist perfekt geeignet für alle Tüftler, die sich gerade an Latte Art versuchen. Latte Art, das sind diese hübschen kleinen Blätter und Herzen, die man mit Milchschaum in die Espresso-Crema zaubern kann. Der Espresso No 1 nämlich zaubert mit seinem Robustaanteil aus Indien (Region Elkhill) eine derart dichte und feste Crema, dass einem fast schwindelig wird.
Wir schmecken: Ein sehr kräftiges Aroma, dunkle Schokolade mit einer dezent fruchtigen Note.
Zu empfehlen: Definitiv in Milchkaffeegetränken, da der Espresso wirklich stark ist. Ein perfekter Wachmacher am Morgen also!
Mehr Infos gibt es hier, direkt auf der Produktseite.
Dieser Espresso besteht, sinnigerweise, aus 100% Arabicabohnen, und zwar aus Mexiko. Dunkel geröstet sind sie und das Aroma beim Öffnen des Beutels ist tief schokoladig. Aus der Maschine läuft der Espresso in einem honig-goldenen, gleichmäßigen Strahl.
Wir schmecken: Einen kräftigen Italiener, der eine dezente Säure enthält und darum fruchtig wirkt. Im Abgang schwingt eine blumige Note mit. Interessant!
Zu empfehlen: Wegen der schönen Cremabildung auch gut zum Latte Art Üben geeignet. Ansonsten schmeckt er uns pur am besten.
Mehr Infos gibt es hier, direkt auf der Produktseite.

Ein weicher, nussiger Duft strömt aus dem Kaffeebeutel der Röstung “Extra Mild”. Wir bereiten ihn in der French Press zu – mit 14 Gramm pro Tasse, grob gemahlen.
Wir schmecken: Einen sehr vollmundigen Kaffee, mit einer deutlichen Süße. Schön schokoladig und harmonisch ist er. Allerdings hat er den Namen “Extra Mild” wegen seiner Bekömmlichkeit verdient. Denn der Geschmack ist definitiv kräftig.
Zu empfehlen: Ein toller Kaffee für French Press und Filteraufguss. Auch zu empfehlen im Vollautomaten! Ein super Alltagskaffee, weil er schön magenschonend ist.
Mehr Infos gibt es hier, direkt auf der Produktseite.
Mai 31st, 2011 §
Der Opa macht Bohrmaschinen mit Weltruf und der Enkel widmet sich Bio-Produkten und irgendwann kommt dabei eine Gourmet-Kaffeemarke aus nachhaltigem und ökologischen Anbau raus….
Wie das geht? Das erklärt uns Oliver Germek, der Geschäftsführer der Mensch&Natur AG aus München.

hier entlang geht es zu den Kaffees
bpcc_Cavallo Nero ist ein Produkt der Mensch&Natur AG. Was genau ist das Konzept von Mensch&Natur und wie ist ihre Geschichte?
oliver germek_Mensch & Natur ist Inhaber hochwertiger Bio-Marken: “nur natur” war die erste Biotee-Marke überhaupt auf der Welt. Seit 25 Jahren war und ist sie eine Vermarktungsplattform für ökologische Teegärten in Indien und China und zugleich ein Entwicklungsinstrument, um in den Gärten und Plantagen soziale und ökologische Entwicklungen zu stabilisieren. Christoph Bosch, Bio-Pionier und Enkel von Robert Bosch, hatte nur natur erfunden gründete in den 90er Jahren Cavallo Nero: die erste Marke für hochwertige Bio-Kaffeespezialitäten ihrer Zeit.

Kaffeeplanzen im indischen Regenwald
bpcc_Was ist das Konzept von Cavallo Nero?
og_Ausgewählter Bio-Rohkaffee und ein aufwendiges, speziell für Cavallo Nero entwickeltes, Langzeitröstverfahren schaffen Kaffee und Espresso der absoluten Spitzenklasse. Seit Jahren gehört Cavallo Nero zu den besten Kaffees im Markt. Seriös und nicht auf kurzfristige Trends setzend: wir wollen Genussprodukte aus Biokaffee schaffen und wissen, dass dies ausschließlich das Ergebnis jahrelanger, harter Arbeit ist.
bpcc_Wie werden die Rohkaffees für Cavallo Nero ausgewählt? Bio? Fairtrade? Direct Trade?
og_Die Rohkaffees beziehen wir direkt und seit Jahrzehnten bei den überwiegend gleichen Kaffee-Plantagen und Farmen. Alle Kaffees sind Bio zertifiziert. Viele stammen zudem aus Utz-Kapeh oder Fairtrade Herkünften, was aber für uns kein zwingendes Kriterium mehr ist. Warum? Wenn heute Millionen von Fairtrade zertifizierten Kaffees über Discounter und Kaffeeketten verkauft werden, ist eine Zwickmühle für den verantwortungsbewussten Verbraucher vorprogrammiert. Denn solche große Produktionsmengen sagen nichts mehr über Qualität aus. Hier ist sehr viel Verantwortungsbewusstsein gefragt.

Kaffeeanbaugebiet in Indien
bpcc_Die Mensch&Natur AG sucht die Rohkaffee-Lieferanten direkt in den Anbauländern selbst aus. In welchen Ländern haben Sie Kooperationen? Wo gibt es den größten sozialen Verbesserungsbedarf für die Kaffeebauern?
og_Seit über 15 Jahren achten wir auf höchste Bio-Qualität und eine nachhaltig-dauerhafte Zusammenarbeit: so beziehen wir aus unseren Hauptherkünften in Indien und Mexiko seit mehr als 10 Jahren den Rohkaffee von den gleichen Farmen und Kooperativen. So etwas gelingt nur dann, wenn man in guten und schlechten Zeiten ein verlässlicher Partner ist.
Verbesserungsbedarf gibt es zugleich in sozialen, ökologischen und ökonomischen Fragen. Wir sehen nach Jahrzehnten dort die größten Verbesserungen, wo Mensch und Natur ein gesundes Gleichgewicht gefunden haben und mit Perspektive für sich und ihre Familien dort leben. Eine zugegeben pauschale Antwort, die zeigt, dass jedes Land seine eigene Herausforderungen hat – die gilt es konkret zu adressieren.

Kaffeesortiererinnen bei der Arbeit
bpcc_Der Kaffeemarkt befindet sich im Wandel: Die Preise für Rohkaffee steigen, die Japaner und Chinesen drängen immer mehr in den Handel mit hochwertigen Rohkaffees. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Schwierigkeiten für europäische Kaffee-Anbieter in der Zukunft?
og_Die steigende Nachfrage und Kaufkraft gerade in Indien und China sowie zunehmende Spekulationsgeschäfte an Rohkaffee-Märkten lassen die Preise derzeit massiv steigen und die Nachfrage nach Spitzenkaffees aus China und Indien lässt den Markt „austrocknen“. In diesem Umfeld wird es für Anbieter in Europa immer schwerer, echte Plantagen- oder Länder-Kaffees zu moderaten Preisen anzubieten.
bpcc_Wie ist ihre Einschätzung für die Zukunft des deutschen Kaffeemarktes? Wird der Wandel hin zum hochwertigen Kaffeegenuss auch die große Masse an Kaffeetrinkern erreichen? Wird Kaffee – auch preislich – wieder zum Luxusgut?
og_Ich glaube schon, dass immer mehr Konsumenten den Genuß hochwertigen Kaffees schätzen und bereit sind, dafür auch mehr Geld auszugeben. Wo Kaffee einen persönlichen Luxus darstellt, wird man auch bereit sein, Luxuspreise zu zahlen.
Wichtig ist, dem Verbraucher zu erklären, worin der Mehrwert eines Kaffees besteht. Besteht er in einer Marketingkampagne mit George Clooney oder besteht er beispielsweise darin, wie ein Kaffee geröstet wurde. So ist unser Cavallo Nero No1-Espresso speziell für die Lufthansa First Class Lounge in München entwickelt worden. Deren Anforderungen: Eine Bohne, aber Spitzenklasse bei Espresso und Kaffee.

Kindergarten der Kaffeeplantage im indischen Elkhill
bpcc_Und zum Abschluss interessiert es uns als echte Kaffeepiraten natürlich: Trinken Sie lieber Espresso oder lieber klassischen Filterkaffee? Wie bereiten Sie ihn zu? Und, sind sie eher ein Viel- oder ein Genusstrinker?
og_Morgens Filterkaffee, nach dem Essen Espresso und tagsüber Unmengen Schwarz- und Grüntee!

Wir sagen: Danke und Ahoi, lieber Herr Germek. Und Dir, lieber Kaffeepirat, raten wir: Ran an die Beute, denn die Kaffees gibt es nur für kurze Zeit! Bitte hier entlang…
Mai 3rd, 2011 §
Wie man als gelernter Buchhändler dazu kommt, Kaffee zu rösten und was hinter den Bezeichnungen “Dantes Inferno”, “Black App” und “Flying Pingo” steckt? Du wirst es erfahren, und zwar hier!
Seit heute ist Andreas Felsen alias Pingo mit seiner noch sehr jungen Rösterei Quijote aus Hamburg bei uns an Bord zu Gast. Doch bevor er mit uns auf Kaffee-Reise gehen durfte, habe ich ihn während meines letzten Besuchs in Hamburg durch das obligatorische Kaffeepiraten-Interview geschickt.
via
bpcc_Seit wann betreibst Du Deine eigene Rösterei?
pingo_Das Projekt Quijote Kaffee betreiben wir seit dem 15. November 2010. Wir freuen uns sehr, dass unser Konzept so interessant zu sein scheint, dass schon nach sehr kurzer Zeit viele Kaffeeinteressierte auf uns aufmerksam wurden. Und natürlich auch, dass wir uns schon nach so kurzer Zeit mit einem Special bei BPCC vorstellen dürfen.
bpcc_Und was hast Du davor gemacht?
pingo_Ich selber bin gelernter Buchhändler. Ich habe dann auch nach meiner Ausbildung bis 1998 in einer Buchhandlung gearbeitet. Ende der 90er habe ich gemeinsam mit damaligen Freuden das Kaffeeimportkollektiv Café Libertad gegründet und dort als Importeur und auch als Röster gearbeitet. 2009 konzipierte ich im Auftrag der FAW die Kaffeerösterei Torrefaktum (Diese Rösterei war ebenfalls schon Gast der Kaffeepiraten) als Integrationsprojekt für Menschen mit Behinderung. Desweiteren habe ich in den letzten Jahren viel Netzwerkarbeit in der Spezialiätenkaffeebranche gemacht.
Caro begutachtet die Quijote Kaffees
bpcc_Wie kamst Du zu der Entscheidung, Röster zu werden?
pingo_Der Beginn war ja Ende der 90er Jahre mit Café Libertad. Ich reiste damals nach der Revolte der zapatistischen Bauern nach Chiapas / Mexico, um als Menschenrechtsbeobachter aktiv zu sein. Wir haben mit der kleinen anarchistischen Gewerkschaft FAU, in der ich seit vielen Jahren Mitglied bin, sehr gute Kontakte zu verschiedenen Landarbeiterbewegungen. Dann kam, da ich mich sehr für verschiedene Lebensmittel interessierte, eins zum anderen. Wir importierten aus Solidarität Kaffee. Der war zufällig gut und ich begann, mich neben Bieren, Weinen, Säften und Spirituosen auch für Kaffee zu interessieren. Der weitere Weg war dann unausweichlich.
bpcc_Wie wählst Du die Rohkaffees für Deine Röstungen aus? Bio? Faitrade? Direct Trade?
pingo_Alle Kaffees, die wir rösten, kaufen wir direkt bei Kleinbauernkooperativen, welche sich neben der Produktion von hochwertigen Kaffees besonders stark in ökologischen oder sozialen Bewegungen engagieren. So können wir zu jedem Kaffee eine schöne Geschichte erzählen und uns freuen mit Leuten zusammenzuarbeiten, welche ebenso wie wir für eine bessere und gerechtere Welt kämpfen.
Für alle Kooperativen mit denen wir zusammenarbeiten, ist eine ökologische Produktion selbstverständlich. Wir selber verzichten aufgrund unserer Nähe zu unseren Kunden bewußt auf Biosiegel, ebenso wie auf andere Siegel. Ich sehe für solche Siegel nur eine Berechtigung für Kaffees von Firmen, die ein so schlechtes Image haben, dass ihre Kunden ihnen ohne Zertifizierung von Dritten nicht trauen. Das ist bei uns nicht so, wir arbeiten im Gegenteil sehr transparent. Nicht nur die Kaufverträge unserer Rohkaffees sind online, sondern auch die Kalkulation der Preise, die Zusammensetzung der Blends, teils die Röstparameter, die Kalkulation der Kooperativen usw.
All diese Dinge wären selbstverständlich völlig wertlos, wenn wir nicht in erster Linie auf die Qualität der Rohkaffees achten würden. Aber auch hier bietet der direkte Handel nur Vorteile: Verbesserungen der Qualität geschehen Hand in Hand mit den Produzenten.
Rösten auf Jamaica
bpcc_Was ist Deiner Meinung nach die größte Schwierigkeit beim Kaffee rösten?
pingo_Ehrlich gesagt halte ich Kaffeerösten für ein relativ einfaches Handwerk verglichen mit der Produktion von anderen Genussmitteln wie wirklich guten Bieren, Weinen oder Broten. In erster Linie muss halt die Qualität der Rohware sehr gut sein. Und diese wirklich schwierige und harte Arbeit machen ja unsere Kollegen am Äquator und nicht wir. Dann muß man lernen das Potential eines Kaffees einzuschätzen, lernen was bei der Röstung physikalisch, chemisch und somit sensorisch überhaupt passiert, lernen seine Röstmaschine zu beherrschen und eventuell, so man dies will, Blends herzustellen.
Selbstverständlich lernt man auch beim Kaffeerösten nie aus und kann sich immer verbessern. Wir versuchen dies so effizient und so schnell wie möglich zu tun. Daher haben wir unter anderem das Projekt X-Roasting erfunden, bei dem wir gemeinsam mit anderen handwerklich guten Partnern aus der Branche einen gemeinsamen Espresso entwickeln, dann rösten und zeitlich limitiert auch gemeinsam vertreiben. Desweiteren treffen wir uns jeden Monat mehrmals auch zu anderen Anlässen mit Kollegen um uns auszutauschen, auch international.
via
bpcc_Du reist regelmäßig in Kaffee-Anbauländer. In welchen warst Du schon und wo liegen die Unterschiede im Kaffeeanbau (auch die sozialen Standards) zwischen den einzelnen Ländern. Wo gibt es den größten sozialen Verbesserungsbedarf für die Kaffeebauern?
pingo_Ich war größtenteils in Lateinamerika (Mexico, Guatemala, Ecuador, Kuba und zuletzt auf Jamaica). Asiatische Anbauländer habe ich bisher noch bie bereist, während ich in Ostafrika in Tanzania und Kenia war.
Deutlich fiel mir bisher auf, dass der Grad der Selbstorganisation und damit auch häufig das Selbstbewußtsein und der Lebensstandard in vielen lateinamerikanischen Ländern viel höher ist als anderswo. Als grässlich empfand ich die Korruption in Ostafrika.
Sozialen Verbesserungsbedarf sehe ich in erster Linie hier in Europa auf Seiten der Importeure, Röster und Konsumenten. Jeder von uns kann sich aussuchen, woher er seinen Kaffee bezieht. Dass die perversesten Ausprägungen kolonialer Ausbeutung in vielen Teilen der Kaffeewelt immer noch existieren, liegt nicht nur an den teils sehr undemokratischen Systemen in den Anbauländern.
Wir wollen mit unserem kleinen Projekt Quijote Kaffee hier gerne ein positives Beispiel geben. Darum reden wir auch soviel über dieses Thema ;-)

bpcc_Wie ist Deine Einschätzung des deutschen Kaffeemarktes: Werden die Konsumenten vermehrt Wert auf Qualität legen und dafür auch höhere Preise bezahlen? Wie siehst Du das Verhältnis zwischen Industrie-Röstern und Kleinröstern? Haben die “Kleinen” überhaupt eine Chance?
pingo_Ich arbeite ebenso wie viele andere gute Kollegen daran, dass die Industrieröster in Zukunft keine Chance mehr gegen die immer stärker werdenden guten Kleinröster haben. Und das wird auch so kommen, wenn die Kaffeeindustrie auch weiterhin nicht lernen möchte und ungenießbares Zeug zum Braunmachen von heißem Wasser herstellt und dabei weder auf soziale noch ökologische Aspekte achtet. Wer will schon Industriekaffee trinken? Wir seriös arbeitenden Kleinröster haben die überlegenen Produkte. Das müssen wir nur in die Öffentlichkeit bringen. Schön, dass es Projekte wie BPCC gibt die uns dabei helfen!

bpcc_Wie bereitest Du Deinen Kaffee / Espresso zu? Und vor allem: Wie viel trinkst Du am Tag? Bist Du Genusstrinker oder auch „Zwecktrinker“, um wach zu werden?
pingo_Bei uns in der Rösterei sind fast alle Zubereitungsmethoden machbar. Das ist ja auch wichtig, um unsere Kaffees kennenzulernen und unseren Kunden Zubereitungsempfehlungen geben zu können. Zuhause habe ich nur eine Frenchpress und einen Porzellanfilter von Hario.
Zum Genuss trinke ich alle zwei bis drei Tage mal einen Kaffee, professionell täglich mehrmals.
Für unsere Crew hat Pingo eine Auswahl seiner Espressoröstungen zusammengestellt. Ob die Espressi Black App, Dantes Inferno und Flying Pingo schmecken? Das kannst Du nun selbst testen. Hier geht´s lang.
April 28th, 2011 §
Bei der aktuellen Debatte um den Atomausstieg kommt man nicht daran vorbei, sich über seinen eigenen Energieanbieter Gedanken zu machen. Gerade für Röstereien sind Energiekosten ein Thema, dennRöster fressen so einiges… Zwei Jungs aus Colorado setzten mit der weltweit ersten solarbetriebenen Röstanlage ein Beispiel, an dem sich manch alternativer Deutscher eine Scheibe abschneiden kann. 2004 gründeten David und Michael Solar Roast Coffee , eine Minirösterei mit selbst konstruierter, solarbetriebener Röstmaschine.

1 Pfund Kaffee konnte man damals pro Durchlauf rösten. Nicht gerade viel, dafür umso exklusiver. Die Idee sorgte für Furore, die Leute fanden waren begeistert und vor allem der Kaffee schmeckte. Solar Roast Coffee wuchs und so baute David immer größere Röster. Mit Hilfe von Fördergeldern entsteht nun im immersonnigen Pueblo ein Röstsystem, das 350 Kilo pro Tag wuppen kann. Jeder kann spenden und so zum Entstehen des größten “open source solar power tower” beitragen! Den Kaffee würden wir natürlich liebend gerne einmal testen. Vielleicht schaffen wir es ja eines Tages, Solar Roast zu entern und ein paar Beutel abzustauben…

Bilder via Solar Roast Coffee
April 21st, 2011 §

Dieses Jahr wurde Ostern für die Kaffeepiraten vorgezogen. Denn heute morgen bekamen wir eine tolle Kaffeebescherung, oder besser gesagt, ein Kaffee-Nest: 2 Espressi der microroasters of organic coffee, genannt “Blue Bottle Coffee”, aus San Francisco wurden uns mitgebracht und natürlich mussten wir die Kaffeebeutel umgehend aufreißen und in die Mühle schütten. Blue Bottle Coffee hatten wir schon vor einigen Monaten bei der Kaffeerecherche entdeckt und ihr minimalistisches Design und den nachhaltigen Ansatz, nur Biokaffees zu verarbeiten, fanden wir super. Dann fuhr ein Freund nach San Francisco und natürlich bekam er von uns die obligatorischen Lieblingscafé-Tipps. Tatsächlich wurde Blue Bottle zu seinem favourite spot – täglich gönnte er sich eine Dosis Blue Bottle Cappuccino.
Und nicht nur ihm schmeckte der Kaffee so gut, dass er immer wieder kam: In den Blue Bottle Coffee Shops in New York, San Francisco und Oakland stehen tagaus, tagein lange Schlangen bis hinaus auf die Straße – nur um einen Becher frischen Kaffees trinken zu können.
Wie es zu Blue Bottle Coffee kam? Ein Musiker und Kaffeefanatiker beschloss, aus seiner Leidenschaft eine Tugend zu machen. Er kaufte sich einen alten 3Kilo-Röster und beschloss, frisch gerösteten, fair gehandelten Biokaffee anzubieten, der vor maximal 48 Stunden geröstet wurde. Eine edle Idee, die schnell viele Fans fand. Und so gibt es inzwischen Coffee Shops mit kleinen, alten Probatröstern an Ost- und Westküste und viele, viele Blue Bottle Addicts.

Mehr Fotos via Laughing Squid
Natürlich wären die Röster von Blue Bottle keine wahren Kaffee-Geeks, wenn sie nicht ganz außergewöhnliche Espressi kreieren würden. Unsere beiden Blends zum Beispiel bereitet man mit 20, bzw 21 Gramm im Doppelsieb, also für 2 Espressi zu. Die Brühtemperatur soll bei 198, bzw 203 Grad (äh Fahrenheit natürlich…) liegen und die Extraktionszeit bei ganzen 35 Sekunden. Entsprechend habe ich so meine Schwierigkeiten bei der Zubereitung. Der Siebträger ist mit 16 Gramm schon randvoll, also tampere ich schonmal vor. Denn den Rest obendrau, schön festgedrückt – aber obwohl ich die Mühle auf den feinsten Mahlgrad eingestellt habe, läuft der Kaffee noch ein bisschen zu schnell durch….ich komme maximal auf 30 Sekunden. Vielleicht liegt das daran, dass die Bohnen inzwischen nicht mehr 48Stunden frisch sind? Kaffee-Experten vor, erzählt mir, wie ich es besser machen kann! Dennoch ist das Geschmackserlebnis berauschend! Allein die Bohnen riechen wunderbar aromatisch und intensiv. Der Roman Espresso riecht fast schon wie ein Cognac, so karamellig süß. Und das, obwohl die Bohnen in simplen Papiertüten verpackt sind!

Wir sind der Meinung, dass Deutschland langsam auch bereit ist: Für Coffeeshops, die so guten Kaffee zubereiten, dass man bereit ist für ihn Schlange zu stehen! Und wer in der Zwischenzeit einmal in die Staaten reisen sollte, kommt an Blue Bottle Coffee nicht vorbei! Hier findet Ihr alle Locations. Und hier könnt Ihr nochmal die ganze Geschichte nachlesen.
P.S. Ach ja, außer dem Roman Espresso probierten wir noch den Hayes Valley Espresso.