
In der dritten Folge unserer Kategorie bean heads lässt uns Christof, der Autor des Blogs my-best-espresso.de, an seinen Espresso-Eindrücken teilhaben, die er in deutschen Cafés gesammelt hat. Wie er dazu kommt und wer er eigentlich ist? Das erzählt er uns am besten selbst….
bpcc_Seit wann schreibst Du Dein eigenes Blog?
Christof_My-best-espresso.de steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Der Blog ist erst seit Mitte März dieses Jahres online.
bpcc_Was hat Dich dazu gebracht, über Kaffee zu bloggen?
Christof_Bei mir geht es vornehmlich oder gar ausschließlich um Espresso. Ich liebe dieses kleine, aromatische Getränk aus Italien, jedoch nur in guter Qualität und professioneller Zubereitung. Und genau diese lässt in unseren Gefilden oft zu wünschen übrig. Die vielen Enttäuschungen in den Cafe-Bars landauf, landab nährten in mir die Idee, darüber zu schreiben und damit für andere die Suche nach den „echten“ Espresso-Bars zu erleichtern.

bpcc_Und was machst Du sonst noch so? Hast Du auch beruflich mit Kaffee zu tun?
Christopf_Meine „Brötchen“ verdiene ich seit langem in der Modebranche. Seit einigen Wochen bin ich jedoch auch Importeur von CAFFÉ HAITI ROMA für Süddeutschland. Ich bin gespannt, ob dieser erstklassige Kaffee sich hier ebenso durchsetzt, wie in der ewigen Stadt Rom.
bpcc_Wo hat die deutsche Café-Szene noch Lücken / Verbesserungsbedarf? Welche Länder sollte sie sich zum Vorbild nehmen und warum?
Christopf_Cappuccino & Co. sind inzwischen aus der deutschen Café-Szene nicht mehr wegzudenken. Doch trotz eines Umsatzanteils von manchmal 50% und mehr, wird diesen wunderbaren Getränken oft viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Hierzulande herrscht die Meinung vor, dass es mit dem Kauf von Bohnen einer bekannten Rösterei getan ist. Das die Kunst vor allem in einer handwerklich perfekten Zubereitung liegt, ist den meisten gar nicht bewusst.
bpcc_Was ist für Dich ein absolutes No-Go beim Kaffee/Espresso?
Christof_Klarer Fall, ein Kaffee-Vollautomat. Das ist das „Todes-Urteil“ für jeden Espresso.
Soweit so gut, wir danken für die kurze aber aussagekräftige Vorstellungs-Runde…and now to something (not really) totally different…
Die Espresso-Situation in deutschen Cafés
Heutzutage gehört es für jeden Gastronom zum guten Ton italienische Heißgetränke im Angebot zu haben. Egal welcher Ausrichtung oder Nationalität ein Restaurant auch sein mag, den Espresso danach bekommt man immer. Die Bandbreite der Qualität ist hier allerdings ebenso groß wie die Unterschiede dessen was auf den Tisch kommt. Vom exzellenten Caffé bis hin zur undefinierbaren Brühe ist alles möglich und ein Sterne-Lokal ist noch lange kein Garant für einen guten Espresso.

Die Getränke-Karten in den deutschen Cafés lesen sich inzwischen wie eine „Listino Bevande“ und obwohl man hierzulande in den vergangenen Jahren stark aufholen konnte, sind wir noch meilenweit vom italienischen Niveau entfernt. Bekommt man in Italien in 80% der Bars einen wirklich guten Caffé, ist das Verhältnis bei uns gerade mal umgekehrt. Das hat verschiedene Gründe, in den meisten Fällen liegt es aber an der mangelnden Kompetenz des Espresso-Zubereiters. Ist in Italien der Barista ein anerkannter Beruf, reicht in hiesigen Gefilden meist eine 5-minütige Einweisung an der Espresso-Maschine aus, um auf die arme Kundschaft losgelassen zu werden.
Glücklicherweise gibt es eine stetig steigende Zahl von Bars und kleinen Röstereien die diesem Trend entgegen steuern. Hier steht die Qualität der Produkte im Vordergrund und man widmet sich mit viel Liebe dem Thema Kaffee.
In Berlin beispielsweise eröffneten in den letzten Jahren eine ganze Reihe solcher Cafés. Das Oliv in Mitte ist nur eines davon. Schlichtes Design, leckere und selbstgemachte Bio-Kost, Cappuccino & Latte Macchiato werden mit Demeter-Milch zubereitet und das Beste – ein hervorragender Espresso ist hier Standard. Für mich gibt`s keinen Berlin-Trip ohne einmal dort gewesen zu sein und dabei kenne ich in unmittelbarer Nähe noch einige Cafés in denen die Espresso-Messlatte bestimmt ebenso hochhängt.

Die Berliner Cafe-Betreiber treten den Beweis an, dass man mit Individualität und Liebe zum Produkt, durchaus erfolgreich sein kann. Der „Caffé-Einheits-Brei“ ist hier nicht mehr angesagt. Wenn dieses Beispiel in anderen Städten Schule macht, sehen wir rosigen „Espresso-Zeiten“ entgegen.
Wir denken doch, dass das Berliner Kaffee-Verhalten mittlerweile auch schon in anderen Städten Nachahmer gefunden hat. Wir selbst haben hier schon das ein oder andere Mal über Cafés gebloggt, die wirklich empfehlenswerten Espresso etc. machen. Und ihr habt vielleicht auch ein paar Tipps, wo die Bohne besonders exzellent zubereitet wird? Falls ihr jetzt überfordert und eigentlich selbst auf der Suche nach guten Café-Tipps seid, schaut mal bei my-best-espresso.de vorbei. Falls ihr Eure Geheimtipps und Stammlokale mit uns teilen wollt, immer her damit…

Heute gibt es eine neue Folge unserer Kategorie bean heads und dieses Mal lassen wir Arne Preuß vom Baristablog zu Wort kommen. Da Arne ein ausgemachter Kenner der klassischen Filterkaffees ist und praktisch von morgens bis abends nichts anderes macht, als Kaffees in der Kaffeepresse (oder auch French Press) zu brühen und zu trinken, wird er uns heute mit auf einen Exkurs in die Welt ebendieser Kaffeemaschine nehmen. Leg los, Arne:

In vielen Haushalten gibt es Kaffeepressen, aber in vielen fristen sie ein trauriges Dasein. Das liegt oft an schlechten Erfahrungen, die mit ihnen gemacht wurden. Diese Fehler sind immer vermeidbar.
Was ist das gute an einer Kaffeepresse?
Der Kaffee wird nicht filtriert. Er wird lediglich durch ein recht grobes „Metallsieb“ gepresst. Das führt dazu, dass alle ätherischen Öle bis in die Tasse gelangen. Es wird nur die Kaffeepresse, Kaffee und heißes Wasser benötigt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Anschaffungskosten zur Qualität des Kaffees, sucht in der Kaffeewelt seines Gleichen. Außerdem hat eine Kaffeepresse einfach Style.
Was muss ich beachten?
1. Der Kaffee muss sehr grob gemahlen werden. Wenn nicht, rutscht er durch das Sieb oder verstopft es und erschwert das Herunterdrücken. Außerdem hat zu fein gemahlener Kaffee eine zu große „Verdunstungsfläche“. Der Kaffee überextrahiert und wird bitter. Dass der Kaffee frisch gemahlen sein sollte, versteht sich hoffentlich von selbst!

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Freunde der Bohne, ab heute gibt es eine neue Rubrik auf wedrinkcoffee. Unter dem Titel bean heads werden ab sofort Protagonisten der Kaffeeszene Gastbeiträge zu ihren “Spezialgebieten” schreiben. Den Anfang macht Johannes Lacker, Betreiber des Kaffi Schopps – einem Online-Shop, der sich auf Schweizer Gourmet-Kaffees spezialisiert hat. Über welches Thema er schreibt? Über die Schweizer Kaffeeszene, ist doch klar! Doch zuerst haben wir Johannes ein paar Fragen gestellt:

wedrinkcoffee_Seit wann schreibst Du Dein eigenes Blog?
Johannes_Seit September 2008
wedrinkcoffee_Wie bist Du zum Kaffee gekommen?
Johannes_Bis ich 23 Jahre alt war, habe ich gar keinen Kaffee getrunken. Erst nachdem ich beruflich in die Schweiz gekommen bin und dort das erste Mal einen typischen Café Crème (Schümli) getrunken habe, bin ich zum leidenschaftlichen Kaffeetrinker geworden. Mit dem Herdkocher hat es angefangen. Über einen Kaffeevollautomaten, den ich lange Jahre genutzt habe, bin ich heute bei Siebträgermaschinen mit Temperaturregelung angekommen. Hin und wieder geniesse ich aber auch einen Kaffee aus der French Press.
wedrinkcoffee_Welches ist Dein absoluter Lieblingskaffee?
Johannes_Einen Lieblingskaffee habe ich nicht, bevorzuge allerdings die Zubereitung als Espresso. Und im Espresso habe ich gerne einen gewissen Robustaanteil. Gerne geniesse ich aber auch fruchtige Arabicas, z.B. aus Äthiopien. Und natürlich muss der Kaffee von einer Schweizer Rösterei stammen! Ist ja logisch, oder?
So, jetzt aber genug geplaudert und Kaffee geschlürft.
Jetzt wollen wir wissen, wie die Kaffeeszene bei unseren Schweizer Nachbarn ausschaut.
Die Schweizer Kaffeeszene ist ähnlich aufgebaut, wie die deutsche. Es gibt ein zwei grosse Röstereien, in denen ausschliesslich Kaffees für den Lebensmitteleinzelhandel geröstet werden. So werden z.B. alle Kaffees, die man bei der MIGROS kaufen kann, in Birsfelden im Kanton Baselland bei der Delica AG geröstet. Dann gibt es mehrere mittelständische Röstereien, die ihren regionalen Markt beherrschen, wie zum Beispiel Turm Kaffee in der Ostschweiz oder Blaser Café in der Region Bern. In der Welschschweiz, der französische sprechenden Schweiz, ist vor allem die Rösterei La Semeuse aus La Chaux-de-Fonds in der regionalen Gastronomie sehr verbreitet. In der Zentralschweiz ist sicherlich Rast Kaffee aus Ebikon bei Luzern führend und im Bündnerland (im Kanton Graubünden) die Rösterei Cafè Badilatti aus Zuoz im Oberengadin. Abschliessend ist im Tessin vor allem die Rösterei Chicco d’Oro stark etabliert. Insgesamt habe ich mittlerweile über 70 Röstereien in der Schweiz gezählt, zu denen sich immer wieder kleine Konzepte dazu gesellen, wie die Kaffeeschmiede Roger Wittwer + Familie aus Langnau im Emmental oder die Bio-Rösterei “derkaffee” in Signau, ebenfalls im Emmental.
In der Deutschschweiz ist die Region Bern sicher als die Kaffeehochburg schlechthin anzusehen. Massgebend ist dabei die Rösterei Blaser Café. Die Familie Blaser bzw. deren Mitarbeiter sind Mitbegründer der Weltbaristameisterschaften WBC, sitzen im Board der SCAE3 in London und haben bei der Gründung des CSC mitgewirkt, dem italienischen Verband für Qualitätskaffee.
Auch fanden schon mehrfach Schweizer Baristameisterschaften in Bern statt, so auch im Jahr 2010, bei denen Mathias Bühler aus Thun Schweizer Barista Meister werden konnte.
Viele weitere namhafte Schweizer Bariste, die an nationalen wie internationalen Meisterschaften teilgenommen haben, kommen aus dem Kanton Bern, so z.B. Anna Käppeli (SM 2007), Thomas Liebe (SM 2008) und Philipp Meier (SM 2009). » Read the rest of this entry «