Panama Kaffee: Kann ein Fotograf Kaffee rösten? Du erfährst es hier…

September 1st, 2011 § 1

Ricus Aschemann von Panama Kaffee

Ricus war (oder ist es vielleicht noch) ein Lebenskünstler. Eine “anständige” Ausbildung, wie sie die Eltern forderten, verweigerte er. Stattdessen ging er nach Berlin und Paris, um seiner Leidenschaft nachzugehen: Er fotografierte. Um Geld zu verdienen, arbeitete er in Cafés und zapfte einen Espresso nach dem anderen. Wie er zu seiner eigenen Rösterei kam und was Kaffee und Fotografie für ihn bedeuten?
Das soll er Dir am besten selbst erzählen…

bpcc_Seit wann betreibst Du Deine eigene Rösterei und wie bist Du überhaupt zum Kaffee gekommen
ricus_
Ich röste seit 1999 und seit 2002 gibt es das Panama Kaffee bzw. die Rösterei. Ich habe Mitte / Ende der 90er in Berlin gelebt und fotografiert. Nebenbei habe ich in einem Café gearbeitet, an einer 4gruppigen irgendwas. (Volle pulle Cappuccino , Latte Macchiato, Espresso etc….) Es gab eine kleine Rösterei in der Nähe. Das „Coffeemamas“ am Hackeschen Markt in Mitte. Dort stand in dem winzigen Laden ein 5kg Probat Röster und man konnte Bohnen kaufen, aus dem Fenster gucken und Espresso trinken. Das mit der Fotografie lief ( monetär ) nicht so gut, eine existenzielle Entscheidung musste her. Ich bin zurück nach Hannover ( meinem Geburtsort ) und habe da Hannovers erste Kaffeebar mit Rösterei eröffnet.

Panama Kaffee Hannover

bpcc_Was hast Du vor Deiner Kaffee-Karriere gemacht?
ricus_
Seit meinem 20. Lebensjahr fotografiere ich . Gleichzeitig habe ich immer hinter der Bar gearbeitet, fast 30 Jahre, davon meistens an der Kaffeemaschine. Bevor ich zurück nach Hannover ging, war ich einige Zeit in Paris (3 Jahre) zum fotografieren und eben auch in Berlin. Ich hatte dann einige Brotjobs im Bereich Architektur und Industriefotografie. Zum Leben hat es nie gereicht, deshalb habe ich dann angefangen Kaffee zu rösten.

Panama Kaffeerösterei Hannover

bpcc_Jeder Röster hat so seine eigene Philosophie bezüglich der Rohkaffee-Auswahl oder der Zusammenstellung und Röstung der Bohnen. Hast Du auch eine und wenn ja, welche?
ricus_
Ich habe in allem was ich tue einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Ich versuche das bestmögliche Ergebnis aus der Bohne beim rösten herauszuholen. Transparenz und Ehrlichkeit sind mir auch wichtig. Meine Kunden sind das Wichtigste überhaupt für mich. Ich richte mich stark nach Trends und den Wünschen meiner Kunden. Bei der Auswahl der Kaffees versuche ich das zu berücksichtigen.

bpcc_Der Kaffeemarkt ist gerade stark im Wandel begriffen: Die Rohkaffeepreise steigen, die Nachfrage steigt, weil die Chinesen und Japaner neuerdings zu Kaffeetrinkern mutiert sind. Was bedeuten diese Trends für kleine Kaffeeröstereien? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Zukunft?
ricus_
Ich glaube, das sich kleine Röstereien spezialisieren und individualisieren müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. Um die gestiegenen Preise zu verkraften, ist es wichtig den Kunden gegenüber ein klares Profil zu haben, um dann auch höhere Preise an den Endverbraucher weitergeben zu können, was ja auch das Überleben sichern muss.

Panama Kaffeerösterei Hannover

bpcc_Falls Du schon selbst in Anbauländer gereist bist: Wo hat es Dir bisher am besten gefallen und wieso?

ricus_Leider war ich bisher noch in keinem Kaffee-Anbauland. Ich würde gerne mal in das Land meines Namensgebers reisen: nach Panama.

Panama Kaffeerösterei HannoverPanama Kaffeerösterei

bpcc_Welchen Kaffee/Espresso trinkst Du am liebsten und wie bereitest Du ihn zu?
ricus_
Am liebsten trinke ich italienische Röstungen mit ein wenig Robustaanteil. Beim klassischen Kaffee habe ich das Handfiltern gerade neu für mich entdeckt. Da mag ich die säurebetonten Kaffees gerne. Die trinke ich dann schwarz.

bpcc_Bist Du ein Genuss- oder ein Vieltrinker? Auf wie viel Liter Kaffee kommst Du am Tag?
ricus_
Ich trinke jeden Morgen ritualisiert aus einer Caffetiera eine Schale mit Espressokaffee und kalter Milch ( wie in Frankreich ). Ohne geht nicht. Außer den Verkostungen und Kontrollen im Laden trinke ich keinen Kaffee oder Espresso. Ich suche mir sehr genau aus, wo ich einen Kaffee trinken kann. In Hannover gibt es nicht viele Orte, also lasse ich es meistens. Ich bin viel in Italien, da trinke ich generell mehr Espresso, überall wo ich welchen bekommen kann, der ist auch nicht immer gut, aber es schult den Geschmack. Wenn ich sonst unterwegs bin, gucke ich vorher im Netz wo es Röstereien oder Coffeeshops gibt, die ich dann gezielt besuche.

Ricus Aschemann FotografieRicus Aschemann FotografieBilder aus der Serie “Urlaub”

bpcc_Neben Deinem Dasein als Röster bis Du auch noch Fotograf. Eine schöne wie ungewöhnliche Kombination. Wie kamst Du zur Fotografie?
ricus_Was soll ich sagen… ich bin ein sehr visueller Mensch, Fotografie ist für mich die beste Ausdrucksweise um kreativ zu sein. Meine Eltern wollten, das ich einen anständigen Beruf erlerne, ich habe mich komplett verweigert. Ich hab dann in der Gastronomie gearbeitet und nebenbei fotografiert. Die Fotografie war das einzige, was mich immer wirklich nachhaltig interessiert hat, und wofür ich bereit war, mehr zu leisten als für andere Dinge.

bpcc_Was sind die Themen, mit denen Du Dich fotografisch am liebsten beschäftigst und warum?
ricus_
Ich suche das malerische in der Fotografie. Formen und Farben spielen eine sehr wichtige Rolle, ebenso die Abstraktion. Ich fotografiere viel Architektur und (Stadt)-Landschaft. Das Leitmotiv bleibt aber Farbe-Form-Fläche.

Ricus Aschemann FotografieRicus Aschemann FotografieRicus Aschemann FotografieBilder aus der Serie “Frankfurter Messe”

bpcc_Sowohl das Kaffeerösten als auch die Fotografie haben mit Wahrnehmung, Genuss und Emotionen zu tun. Gibt es weitere Berührungspunkte oder bietet Dir der eine Bereich vielleicht sogar Inspiration, die Du im anderen Bereich umsetzen kannst?
ricus_Auch das Kaffeerösten ist ein Teil meiner Ausdrucksweise etwas bleibendes zu schaffen. Es macht mich glücklich und zufrieden, wenn anderen mein gerösteter Kaffee schmeckt . Genau so verschafft es mir Zufriedenheit und natürlich auch Anerkennung, wenn meine Bilder anderen gefallen. Insofern haben das fotografieren und das Kaffeerösten einen wichtigen Zusammenhang: ich mache nur das was ich schon immer machen wollte, und kann damit meine Familie ernähren. ;-)

Wer nun wissen will wie Panama Kaffee schmeckt, der geht bitte hier entlang.
Und wer sich für das weitere fotografische Werk von Ricus interessiert, der klicke bitte hier.

Tagged: , , , ,

§ One Response to “Panama Kaffee: Kann ein Fotograf Kaffee rösten? Du erfährst es hier…”

What's this?

You are currently reading Panama Kaffee: Kann ein Fotograf Kaffee rösten? Du erfährst es hier… at BPCC.

meta