
Thomas vollzog seinen Quereinstieg ins Kaffeegeschäft vor vier Jahren nicht nur mit viel Elan und Begeisterung, sondern auch im Turbogang. Er begann selbst zu rösten, ließ sich in Wien zum Chef-Diplom-Kaffeesommelier ausbilden und ist Deutschlands einziger Q-Grader. Seit zwei Jahren stellt er sein großes Wissen, seine feine Nase und seinen geschluter Gaumen außerdem in der Jury vom Cup of Excellence zur Verfügung.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage (denn wir sind ja kritische Piraten): Hat der Mann seine Titel zu Recht und kann er überhaupt rösten?
Wir finden: Auf jeden Fall! Und da wir unserer Crew gute Röstungen niemals vorenthalten würden, mussten wir Thomas einfach zu uns an Bord holen! Ob Du uns in unserer Begeisterung zustimmst, darüber kannst Du Dir ab sofort selbst ein Bild machen, denn die Kaffees aus der Murnauer Kaffeerösterei gibt es ab sofort zum testen bei uns an Bord. Doch bevor wir uns an die Kaffeemaschine begeben, haben wir Thomas noch ein paar Fragen gestellt.

bpcc_Seit wann betreibst Du Deine eigene Rösterei und wie bist Du überhaupt zum Kaffee gekommen?
thomas_Meine Leidenschaft zum Kaffee wurde 1995 auf Hawaii geweckt. Dort habe ich zum ersten Mal eine Kaffeeplantage gesehen. Die Einladung vom Kaffeebauern zu einer Tasse Kaffee hat dann mein Leben grundlegend verändert. 2007 war es dann so weit: Ich ließ mich in Wien zum Chef-Diplom-Kaffeesommelier ausbilden und begann, selbst zu rösten. Seitdem hält mich Kaffee fest in seiner Hand.
bpcc_Was hast Du vor Deiner Kaffee-Karriere gemacht?
thomas_Davor war ich Controller bei einer kanadischen Softwarefirma und war für das Wachstum durch Zukäufe von Unternehmen in Europa mit verantwortlich.
bpcc_Du bist Chef-Diplom-Kaffeesommelier: Was genau kann man sich darunter vorstellen und wie sieht diese Ausbildung aus?
thomas_Die Ausbildung ist in drei Teile aufgebaut. Man lernt im Wesentlichen die Unterschiede der Kaffeesorten und die Merkmale der Herkunftsländer kennen, welche sich im Kaffee wieder spiegeln. Man lernt das Zubereiten traditioneller Kaffeegetränke und vor allem, und das ist und war für mich das wichtigste, das Rösten von Kaffee.

bpcc_Du bist der einzige Q-Grader Deutschlands. Was ist das und wie wird man es?
thomas_Q-Grader könnte man am besten übersetzten mit den Worten Qualitätsbegutachter. Ein Q-Grader macht das, was man eigentlich von der Wortwahl von einem Sommelier erwartet: Er bewertet die Kaffees. Beginnend bei der Rohware und dann im gerösteten Zustand. Dabei wird der Kaffee bzgl. Geruch, Geschmack und Aroma bewertet. Die Bewertung des Kaffees erfolgt dabei weltweit von allen Q-Gradern gleich. Bewertet werden 10 Merkmale des Kaffees und jedes Merkmal kann 10 Punkte erhalten. Ein Top Kaffee kann somit bis zu 100 Punkte erreichen. Q-Grader wird man in dem man sich am Coffee Quality Institute das umfangreiche Wissen über Kaffee aneignet und dann einen dreitätigen Test besteht.

bpcc_Jeder Röster hat so seine eigene Philosophie bezüglich der Rohkaffee-Auswahl oder der Zusammenstellung und Röstung der Bohnen. Hast Du auch eine und wenn ja, welche?
thomas_Nur das Beste natürlich. Das klingt so einfach, jedoch steckt viel dahinter. Was ist das Beste? Der Genießer eines Kaffees aus der Murnauer Kaffeerösterei soll mit seinem Getränk eins werden. Wir kennen es vom Wein: Wir kaufen Wein wenn wir wissen, wo er genau herkommt und was drin ist. Diese Transparenz will ich meinen Kunden auch bieten.

bpcc_Du warst schon zwei Mal in der Jury von Cup of Excellence. In welchen Ländern war das und wie laufen diese Verkostungen und Bewertungen ab?
thomas_Beim ersten Mal war ich in El Salvator. Dieses Jahr durfte ich nach Kolumbien reisen. Beim COE reichen Kaffeebauern eines Landes ihren Kaffee bei einer Jury ein. Die erste Auswahl aller Kaffees übernimmt eine nationale Jury, bestehend aus professionellen Kaffeeverkostern. Kaffees, welche einen definierten Qualitätsstandart erreichen, werden dann einer internationalen Jury von ca. 24 Juroren aus meist ca. 12 bis 16 Ländern gereicht. Die internationale Jury verkostet dann fünf Tage lang dieses Kaffees. Der Höhepunkt bei der Verkostung ist natürlich immer der 5. Tag an dem nur noch die Creme de la Creme der Kaffees verkostet wird. Das sind die Top 10 die sich meist aus über 500 Kaffees überdurchschnittlich hervorheben.
bpcc_Der Kaffeemarkt ist gerade stark im Wandel begriffen: Die Rohkaffeepreise steigen, die Nachfrage steigt, weil die Chinesen und Japaner neuerdings zu Kaffeetrinkern mutiert sind. Was bedeuten diese Trends für kleine Kaffeeröstereien? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Zukunft?
thomas_Die Nachfrage nach Kaffee und vor allem auch die Nachfrage nach Qualitätskaffee wird weiter steigen. Wir haben in einigen Ländern bereits einen Markt für Spezialitätenkaffees auf dem Konsumenten für 1 kg Kaffee bereits mehr als 40 Euro bezahlen.Diese Nachfrage führt dazu, dass viele Kaffeebauern mehr auf Qualität statt auf Quantität setzen.


bpcc_Du warst schon in vielen Kaffee-Anbauländern unterwegs. Wo hat es Dir bisher am besten gefallen und wieso?
thomas_Jedes Land ist einmalig und hat seine Reize. Am meisten war ich von Äthiopien begeistert. Die Landschaft ist so vielfältig und bestimmt das Paradies, wie es in der Bibel beschrieben ist. Die Menschen sind so herzlich und freundlich, dass man sie nie vergessen wird. Der Kaffee in der Geburtstätte des Arabica-Kaffees ist so mannigfaltig im Geschmack, dass hier bestimmt die Engel ihre Finger im Spiel haben;-)
bpcc_Welchen Kaffee/Espresso trinkst Du am liebsten und wie bereitest Du ihn zu?
thomas_Die aktuellen Ernten aus Äthiopien und Costa Rica sind überwältigend. Am Morgen brühe ich gerne meinen Kaffee auf. Am Vormittag folgt eine Cappuccino-Pause und nach dem Mittagessen gibt es einen Espresso.

bpcc_Bist Du ein Genuss- oder ein Vieltrinker? Auf wie viel Liter Kaffee kommst Du?
thomas_Obwohl ich viel Kaffee trinke, bin ich ein Genussmensch. Jeder Schluck muss meine Geschmackssinne berühren. Wenn man die Kaffees aus den Verkostungen mal nicht mit rechnet, dann passiert es durchaus schon mal, dass ich einen Liter Kaffee am Tag trinke. Dann ist er meistens mit der Karlsbader Kanne zubereitet.
So, genug geredet, jetzt ist es wirklich höchste Zeit für einen guten Kaffee, oder? Du auch? Dann hier entlang, bitte.